Das
Kyffhäuserdenkmal (Kaiser-Wilhelm-Denkmal)
aus
http://www.roskothen.com/kyff/index3.htm
Anlass, Idee und erste Beschlüsse
zur Errichtung des Kyffhäuserdenkmals (Kaiser-Wilhelm-Denkmal)
"Einigung
von oben"
Der Weg Preußens und
anderer deutscher Staaten in das 19. Jahrhundert begann mit einer Katastrophe.
In der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt zerschossen die Einheiten des französischen
Heeres die in ihrer traditionellen Lineartaktik operierenden preußischen
Bataillone. Prunkvoll zog Napoleon am 27. Oktober 1806 in Berlin ein. Nach
dieser Niederlage wurde die nationale Einigung zur dringendsten politisch-ökonomischen
Aufgabe in den deutschen Landen. Vielschichtige nationale und soziale Bewegungen
durchstürmten das einstige "Heilige römische Reich deutscher
Nation". Schließlich setzten sich die Vorstellungen der Verfechter eines
sogenannten Kleindeutschen Staatsgebildes durch. Nach drei dynastischen Kriegen
Preußens und seiner Verbündeten gegen Dänemark (1864), Österreich (1866) und
Frankreich (1870/71) entstand ein monarchistischer Bundesstaat unter preußischer
Führung. Als Kaiser Wilhelm I. wurde der 73-jährige preußische König aus dem
Hause Hohenzollern proklamiert. Preußische Deutschland-Politik - und hier vor
allem die diplomatische Kunst Otto von Bismarck lösten die nationalstaatliche
Einheit und damit auch existentielle Aufgaben künftiger Wirtschaftsentwicklung
mit einer "Einigung von oben". Dieser Zeit war der Kyffhäuser
wiederum z.T. sehr unmittelbar konfrontiert.
Das 2. deutsche
Kaiserreich entstand
Im neuen Staatsgefüge
vereinigten sich vier Königreiche, sechs Großherzogtümer, vier Herzogtümer,
acht Fürstentümer (unter ihnen das Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt,
Landesherr des Kyffhäuser-Territoriums), drei Freie Städte und das im
deutsch-französischen Krieg annektierte Reichsland Elsaß-Lothringen. Der
deutsche Kaiserstaat wurde auf französischen Boden proklamiert. Dazu
versammelten sich am 18. Januar 1871 Über 600 Generäle und Marschälle, Großherzöge,
Herzöge, Grafen und Prinzen, Minister, Hofchargen und Offiziere in der
Glasgalerie des Versailler Schlosses, in der Geschichte als Spiegelsaal bekannt.
Unter diesem Glanz aus Uniformen, Orden und Fahnen befand sich der junge
Leutnant Paul von Hindenburg-Beneckendorff als Kriegsteilnehmer von 1870/71.
Zwischen dieser Farbenpracht war das Dutzend befrackter Zivilisten kaum
auszumachen.
Die Kaiserproklamation
in Versailles
Als Wilhelm von zwei
Hofmarschälen mittags um 12 Uhr in den Saal geführt wurde, begrüßte ihn der
mächtige Gesang eines Soldatenchors. Für die Predigt von Hofprediger und
Divisionspfarrer Rogge hatte der preußische Kriegsminister von Roon den Psalm
21.22 des Alten Testaments vorgegeben: "Denn sie gedachten dir Übels zu
tun, und machten Anschläge..." Rogge verwand geschichtliche Größe dieses
Tages mit Überlieferung und Tradition, wie wir sie auch vom Kyffhäuser kennen.
Seine Gedanken in der Predigt inspirierten den Beginn der Legendenbildung um
Wilhelm I. bereits zu Lebzeiten des Herrschers: "Was die Lieder und Sagen
des Volkes nur als einen fernen Traum uns verkündet haben: wir sehen es heute
als Wirklichkeit geworden, sehen das deutsche Reich wieder auferstanden in alter
Herrlichkeit, ja in einer Macht und Größe, die es vielleicht nie zuvor
besessen hat, sehen dem Deutschen Reiche Seinen Kaiser wiedergegeben, und dürfen
als solchen einen König begrüßen, dessen greises Haar mit frischen Lorbeerkränzen
geschmückt ist..." - Fürst von Bismarck verlas die Kaiserproklamation.
Das Hoch auf den Herrscher brachte der Großherzog von Baden aus.
Die Lösung der nationalstaatlichen Einigung hatte auch positive Auswirkungen.
Politische Stagnationserscheinungen wurden nach 1871 belebt, das
Wirtschaftsleben erhielt immense Impulse, und gesellschaftliche Vereinigungen
und Bewegungen waren in der Lage, die größeren Möglichkeiten eines nationalen
Territoriums für ihre Aktivitäten zu nutzen. Aber es gab auch viele Stimmen
der Warnung und der Furcht vor nationalistischer Übersteigerung. Der große
Schweizer Historiker Carl Jacob Burckhardt prophezeite der nachfolgenden
Generation ahnungsvoll ein "Zeitalter der Kriege und Revolutionen".
Und nicht nur er!
Kaiser Wilhelm I.
"Der Weißbart auf des Rotbarts Throne"
Auf
dem Boden dieser allgemeinen Entwicklung spross die Legendenbildung um Kaiser
Wilhelm I. Bereits im März 1871 entwickelte der Historiker Prof. Voigt die
Leitlinie vom Hohenstaufen Friedrich Rotbart zum Hohenzollern Wilhelm, die später
auch für den Kyffhäuser eine bedeutsame Eigenständigkeit erhalten sollte. Die
Brücke zu mittelalterlichen Herrschaftsgestalten wurde in diesen 70er und 80er
Jahren des 19. Jahrhunderts geschlagen. An dieser Seite Karls des Großen
(768-814) und Ottos des Großen (936-973) trat nun Wilhelm der Große. Die
Hohenstaufen-Hohenzollern-Bindung baute sich begrifflich auf. Die Ziele der
Sagenüberlieferung um Friedrich Barbarossa waren von Wilhelm "Barbablanca"
(Weißbart) erfüllt worden. Felix Dahn (1834-1912) "schuf" diese neue
Begrifflichkeit. Die ursprüngliche Sagenversion, wie wir sie beispielsweise von
den Gebrüdern Grimm, aus dem Gedicht Friedrich Rückerts, aus dem Volksbuch über
Kaiser Friedrich u.a.m. kennen, wurde mehr und mehr aus der Sicht der
"Rotbart-Weißbart-Version" tradiert. Gedichte, Dramen und Chorwerke
von unterschiedlicher poetischer Meisterschaft entstanden. Festspiele zu Ehren
des Kaisers vereinten Scharen kaisertreuer Patrioten. Bildkünstlerische
Arbeiten würdigten den Hohenzollern. Vermutlich erfuhr keiner der anderen
deutschen Kaiser bereits zu Lebzeiten eine solch´ umfängliche Idealisierung
wie Wilhelm I.
Es ist wohl die Lokalisierung der Barbarossasage in den Kyffhäuserberg, welche
den Burgberg zu einem der Mittelpunkte der Wilhelm-Tradierung entwickelt. Das
und offensichtlich auch die zahllosen, sich gerade am Kyffhäuser, der
Rothenburg und dem Rathsfeld konzentrierenden Bekundungen, den Sageninhalt für
aktuelle politische Anliegen zu nutzen, erhob diesen Berg zu einer Pflegestätte
nationaler Symbolik. Als eines von sehr vielen möglichen Beispielen mag ein
Gedicht K. Bornemanns das dabei erreichte literarische - allerdings recht
unterschiedliche - Anspruchsniveau belegen:
Barbarossas Erwachen
Und siebenhundert Jahre
währt schon des Alten Traum!
Da tönt die Kriegsfanfare
hinab in seinen Raum.
Es hört der Held mit Staunen
der Schwerter hellen Klang,
den Donner der Kartaunen
und wilden Schlachtgesang.
Es sprengt die Felsentore,
tritt an des Berges Rand,
da rauscht´s in vollen Chore
siegjubelnd durch das Land,
und ernste Banner wehen
in schwarz und weißem Glanz,
und Kriegesscharen stehen,
ums Haupt den Lorbeerkranz.
Wie Nebel ist zerstoben
der Raben düst´re Schar,
und siegreich kreiset oben
der Hohenzollern Aar!
Da hebt die Flammenblicke
der Kaiser himmelan
und spricht: "Dank dem Geschicke!
Gelöst ist nun mein Bann.
Heil dir und deinem Zeichen,
du Hohenzollern-Sohn,
fest wie die deutschen Eichen
steht dein erhabner Thron!
Nun steig´ ich ruhig nieder
in meines Grabes Nacht;
in dir erneut sich wieder
des Deutschen Reiches Macht."
Der Beschluß zur
Errichtung eines Kaiser – Wilhelm – Denkmals
Im März 1888 durcheilte
die Nachricht vom Ableben Wilhelm I. das kaiserliche Deutschland. Während einer
Ausfahrt - seiner letzten - am 2. März hatte er sich stark erkältet. Am 9. März
überbrachte Reichskanzler v. Bismarck dem versammelten Reichstag die Nachricht,
daß der Kaiser am gleichen Tage um 8.30 Uhr an den Folgen seiner Krankheit, 13
Tage vor seinem 91. Geburtstag gestorben sei. Bereits unmittelbar nach dem
Ableben des greisen Dynasten unterbreiteten vor allem die deutschen
Kriegsvereinigungen Vorschläge zur Errichtung monumentaler Erinnerungsstätten
an den Hohenzollernkaiser.
In Weißenfels hatte sich am 14.04.1873 mit dem Deutschen Kriegerbund eine erste
Sammelorganisation ehemaliger deutscher Krieger gebildet. Sie umfaßte
vorwiegend mittel- und norddeutsche Vereine und galt als einer der ersten
gelungenen Versuche, das deutsche Kriegervereinswesen zu zentralisieren. Von
vornherein verbanden die Initiatoren mit der Kaiserehrung das Ziel eines
allgemeinen und allumfassenden deutschen Kriegerbundes. Drei Tage nach dem Tod
Wilhelms unterbreitete der Schriftführer des Deutschen Kriegerbundes, Geheimrat
Prof. Dr. Alfred Westphal - Hauptmann d.R. (damals noch "Premier-Leutnant)
dem Bundesvorstand sein Anliegen, dem verstorbenen ein würdiges Denkmal zu
errichten. Westphal schlug den Kyffhäuser als Standort vor, da Kaiser Weißbart
die Sage erfüllt und Kaiser Rotbart erlöst habe. Das Denkmal solle ein Werk
aller deutscher Krieger sein. Der Deutsche Kriegerbund möge sich mit zu diesem
Zwecke mit allen deutschen Kriegervereinen zusammenschließen und auch gemeinsam
das Denkmal finanzieren. Am 20.03.1888 hatte der Reichstag einen Beschluß zur
Errichtung eines Denkmals für den entschlafenen Kaiser gefaßt. Zwei Tage später
brachte die Zeitschrift "Parole" des Deutschen Kriegerbundes einen
Aufruf, welcher sich im wesentlichen mit den Westphalvorschlägen deckte, an die
Öffentlichkeit. Wiederum zwei Tage später unterbreitete Bergrat und
Oberbergrat Harz dem in Dortmund tagenden Ausschuß des Reichs-Kriegerverbandes
den gleichen Vorschlag. Der Abgeordnetentag des Deutschen Kriegerbundes stimmte
in seiner Pfingsttagung am 20./21.5.1888 einem solchen Bau mit großer Mehrheit
zu. Ein geschäftsführender Ausschuß zum Denkmalbau konstituierte sich am
7.10.1888 in Berlin. Neben dem deutschen Kriegerbund gehörten ihm Vertreter der
Landesverbände Hessen, Bayern, Sachsen, Württemberg und Baden an. Der Entschluß
zum Denkmalbau fand das einstimmige Votum dieses Gremiums.
Die Standortwahl
Da neben dem Kyffhäuser
auch über andere Standortmöglichkeiten diskutiert wurde - u.a. über Goslar
und eigenartigerweise sogar Metz - gab man ein Gutachten in Auftrag, auf dessen
Grundlage über den endgültigen Standort entschieden werden sollte.
Die Bauräte Heyden und Kyllmann legten im Dezember 1888 ihr Gutachten vor und
empfahlen den Standort Kyffhäuser. Noch im gleichen Monat entschied der geschäftsführende
Ausschuß im Sinne des Gutachtens. Die unmittelbaren Vorhaben begannen. Eine
Abordnung des Ausschusses - Oberst v. Elpons, Hofrat Dinckelberg und Prof.
Westphal - erhielt den Auftrag, vom Schwarzburg-Rudolstädter Landesherrn, auf
dessen Territorium das Monument erbaut werden sollte, die Genehmigung "zu
erbitten". Sie trugen die Bitte der Kriegervereinigung dem Schwarzburger Fürsten
Georg (1868-1890) vor. Danach begann der übliche Instanzenweg. Natürlich gab
es von Rudolstädter Seite keine Einwände. Fürst Georg bat Kaiser Wilhelm II.
am 7.1. um Zustimmung zum Denkmalbau. Außerdem konsultierte er die kaiserliche
Majestät und erbat ebenfalls Zustimmung zur Übernahme des Protektorates, das
ihn die Abordnung des Kaiserbundes angetragen hatte. Wilhelm stimmte zu. Fürst
Georg teilte der Kriegervereinigung am 17.01. mit, daß seine Majestät mit
Schreiben vom 17.01.1889 zugestimmt habe. Der Schwarzburg-Rudolstädter Fürst
übernahm das Protektorat und unterzeichnete einen Aufruf zu Sammlungen für den
Denkmalfond. Unerwartet starb Fürst Georg am 18.01.1890. Sein Nachfolger als
regierender Fürst und auch im Amt des Denkmalprotektors wurde Fürst Günther
zu Schwarzburg-Rudolstadt (1852-1925).
Es wurde die Festlegung des Burgberges zum Denkmalszustand vereinseitigen, im
"historisch-poetischen Charakter des Ortes" den alleinigen Faktor für
seine Standortwahl zu sehen. Man wollte keinen Platz für dieses Denkmal
inmitten stets objektiv begrenzter Flächen in städtischen Zentren wählen. Für
das Kaisermonument suchte man einen Platz inmitten der Natur, der die
Erwartungen entsprach das Kyffhäuserareal in seiner Allianz zwischen
Landschaft, Geschichte, Poesie und weit in die Umgebung wirkender
Sichtbeziehung. Der Weg zum Denkmal sollte mindestens ebenso bedeutsam wirken
wie das Monument selbst.
In Bruno Schmitz´ Projekterläuterungen sind solche Gedanken umschrieben:
Kaiser Wilhelm sei "ein Denkmal Seiner und des Landes würdig auf einer
bedeutsamen Scholle Bodens, im Herzen Deutschlands, auf dem sagenumwobenen Kyffhäuser-Berge,
dem Zeugen einstiger Kaiserpracht und Reichsherrlichkeit" zu errichten.
Auch die inhaltlichen Aspekte sind von Schmitz bekundet: "Ein Erinnerungs-
und Siegesmal der Nation, die Bestätigung des Dankes für den Gründer des
neuen deutschen Kaiserreichs."
Die Bekanntmachung des
Preisausschreibens
Nach der Standortwahl
galten die gemeinsamen Bemühungen des geschäftsführenden Ausschusses, des Fürstentums
Schwarzburg-Rudolstadt und der Berliner Akademie der Künste der Vorbereitung
eines Preisausschreibens für den architektonischen Teil des Denkmal zwischen
August und Oktober 1889. Die Laufzeit dieses Wettbewerbes war recht kurz. Letzte
Frist zur Einreichung der Entwürfe war der "1. Juni 1890, 6 Uhr
nachmittags". Ein Preisgericht war bestimmt: Staatsminister von Starck als
Vertreter des Landesherrn, ebenso Oberforstmeister Freiherr v. Ketelhodt, Oberst
v. Elpons und Prof. Westphal vom Denkmalsausschuß, Stadtverordneter Diersch
(Berlin) und sieben von der Akademie zu ernennende Künstler. Lagepläne und
Photographen des Standortes erhielten die Wettbewerbsteilnehmer erst gegen Ende
des Jahres 1889. Die Auftraggeber engten die Kreativität der Architekten nicht
ein. Ihr Forderungsprogramm enthielt nur wenige Bedingungen. Sie verlangten ein
Denkmal, daß der weithin sichtbaren Lage des Standortes zu entsprechen habe.
Bei der Planung eines kaiserlichen Standbildes sollte eine militärischer
Auffassung entsprechende Form künstlerische Gestaltungsweisen finden. Außerdem
war die Erhaltung des "alten Turmes" (Befreit der mittelalterlichen
Oberburg Kyffhausens) in der Ausschreibung festgelegt.
Es darf vermerkt werden, daß sich die Ausschreibung ausnahmslos an deutsche Künstler
wandte! Für die drei besten Entwürfe waren Prämien mit einer Höhe von 6.000,
4.000 und 3.000 Mark ausgesetzt. Am 1.06.1890 lagen dem Preisgericht 24 Entwürfe
vor. Sie wurden sofort nach einem Entscheid des preußischen Kultusministers in
der Berliner Kunstausstellung präsentiert und am Vormittag des 24.06. auch von
Kaiser Wilhelm II. besichtigt. Nun konnte das Preisgericht seine Entscheidung
treffen, denn die Auftraggeber wollten noch 1890 mit den Bauarbeiten beginnen.
Bau und Einweihung des
Kyffhäuserdenkmals (Kaiser - Wilhelm - Denkmal)
Das Preisgericht hat
entschieden
Zweifellos hatte die
Ansicht Wilhelms II.- während und nach der Besichtigung der Entwürfe geäußert-
zum Ehrenmal für seinen kaiserlichen Großvater einen gewissen Einfluß auf die
Wettbewerbsentscheidung. Sie wird uns überliefert: "Er würde es, so etwa
führte er aus, nicht für angebracht erachten, ein einfaches Reiterstandbild zu
wählen, weil dieses, um von Weiten zu wirken, ungemein groß sein müsse, dann
aber dem nahe davor stehenden Besucher zu erdrückend erscheinen werde. Es
empfehle sich daher eine Vereinigung von Architektur und Bildhauerei, die große,
weithin wirkende Maße und doch gefällige Formen gestattet." Das sprach
recht eindeutig für ein Turmdenkmal- in jener Zeit keineswegs ungewöhnlich-
mit Reiterstandbild. 40 Professoren, Architekten, bildende Künstler u. a.
hatten 24 Entwürfe eingerichtet. Übrigens basierten davon 7 auf den Lösungsgedanken
eines harmonisch in die Landschaft eingebetteten Turmdenkmals mit einem
Reiterstandbild.
Den ersten Preis erhielt der 32- jährige Architekt Prof. Bruno Schmitz. Sein
Entwurf, "ein Turmmonument mit der Figur Barbarossas im Sockel und darüber
einem von zwei nicht näher bezeichneten Nebenfiguren begleiteten
Reiterstandbild Wilhelms I." wurde im architektonischen Teil zur Ausführung
bestimmt und damit Grundlage der sofort beginnenden Projektierung. Diese
Situation führte von Juni bis Dezember 1891 zu einem weiteren Wettbewerb für
ein Reiterstandbild. Aus wiederum eingereichten 40 Vorschlägen entschieden sich
Preisgericht und Ausschuß für den Entwurf des Charlottenburger Prof. Emil
Hundrieser. Für die Barbarossafigur im Felsenhof räumten die Auftraggeber B.
Schmitz Entscheidungsrecht ein. Aus einem weiteren Wettbewerb eines allerdings
stark begrenzten Teilnehmerkreises sollte er den für sein Projekt geeignetsten
Entwurf bestimmen. Er entschied sich für die Arbeit des Berliner Bildhauers
Prof. Nikolaus Geiger. Weitere bauplastische Elemente am Denkmalturm (Wappen,
Reichskrone, allegorische Figuren, Reichsadler, kalligraphische Arbeiten, figürliche
Gestaltung des Kapitelle, Tierallegorien mit den entsprechend der inhaltlichen
Achse Hohenstaufen- Hohenzollern beziehungsreich hockenden und
schwingenspreizenden Raben u.a.) wurden dem ebenfalls in Berlin ansässigen
Bildhauer August Vogel angetragen. Bereits im Frühjahr 1894 präsentierten
Hundrieser und Geiger erste maßstabgetreue Modelle.
Der Bauablauf
Die künstlerische und
bautechnische Gesamtleitung des Denkmalbaus lag in Bruno Schmitz` Händen und
hatte ihre Grundlage im Vertrag zwischen dem geschäftsführenden Ausschuß der
Kriegsvereinigungen und Schmitz, welcher am 5.10.1890 auf dem Kyffhäuser
unterzeichnet wurde. Vor den Vertragspartnern türmten sich sofort gewaltige
Probleme auf. Zu den größten gehörten die kontinuierlichen Probleme der
Finanzierung. Man hatte die Kosten zunächst stark unterschätzt. Die ursprüngliche
Kalkulation von 400 000.- Mark änderte sich letztendlich in die für die Zeit
gigantische Summe von 1 452 241, 37 Mark. Billige Lösungen waren gefragt.
Erleichternd zeigten sich Genehmigungen zur Nutzung des am Kyffhäuser
vorhandenen roten Sandsteins zum Bau durch den Landesfürsten. Damit wurde die
Anlage von Steinbrüchen unmittelbar an der Baustelle möglich. Eine
Entscheidung über den Mikrostandort war zu fällen, denn vom Bergfried der
Oberburg, dem so. Barbarossaturm, erstreckte sich die Ruinenwelt der alten
romanischen Reichsburg, der größten Deutschlands, über 600 Meter in Richtung
Osten. Die Lösung dieser Aufgabe war folgenschwer. Von der ursprünglichen etwa
350 Meter langen Oberburg blieben noch 65 Meter mit Bergfried, Erfurter Tor und
Burgbrunnen. Der Rest fiel dem Bau des Kaiserdenkmals zum Opfer. Vom
historischen und denkmalpflegerischen Standpunkt aus ist dieser Eingriff höchst
bedauerlich. Die vor Schmitz stehenden Aufgaben führten oft zur
Gleichzeitigkeit zwischen Entwurf, Projektierung, Bauablauf und zuweilen auch
bemerkenswerten Änderungen ursprünglicher Regelungen. Jahrzehnte später wurde
diese Erscheinung auch im Kyffhäuserland unter dem Terminus der
"gleitenden Projektierung" an nahezu jedem Bau heimisch. Während des
Denkmalbaus betraf das solch gravierende Probleme wie die Änderung der
Schauseite des Denkmals von West nach Ost, Neugestaltung des Barbarossahofes in
einen "zerklüfteten Felsenhof", Anlage von Rundbogen im Bereich des
Barbarossahofes, Änderungen bauplastischer Schmuckelemente, Anpassung der
oberen Ringterrasse u.a.m.
Hauptmerkmal des Bauablaufes waren von Ungeduld geprägte Termine. Die Frankenhäuser
Baufirma Reichenbach begann im August 1890 mit etwa 40 Arbeitern den Denkmalbau.
Im Prinzip waren sie Bestandteil der Vorbereitungsphase: Ein Steinbruch war
anzulegen, die komplizierten und wegen Erosionsgefahr ökologisch anfechtbaren
Rodungen am Berghang folgten, der größte Teil der Oberburgruinen wurde ohne
vorherige wissenschaftliche Aufnahme der mittelalterlichen Bausubstanz
eingerissenen und allgemeine Vermessungsarbeiten der Baustelle beschäftigten
die Bauleute. Die Beschäftigtenzahl stieg bald auf 150 und noch im Jahre 1891
auf 200, als die umfangreichen Arbeiten an Ringterrasse und- mauer begannen.
1893 arbeiteten schon 300 und in der letzten Bauperiode vor der Einweihung gar
400 Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Steinmetze, Handlanger usw. auf dem
Burgberg.
An diesen Standort waren die Baubedingungen recht kompliziert. Sie beeinflußten
die Planung und verlängerten z.B. die ursprünglichen Terminangaben um fast das
Doppelte. Zu solchen Einflüssen gehörten die schwierigen Witterungsbedingungen
im Winter, unvorhergesehene Gründungsprobleme, architektonische Änderungen
ursprünglicher Lösungen, unzureichende technologische Voraussetzungen (z.B.
Unzulänglichkeiten im Gerüstbau, Fehlen von Hebezeugen u.a.), Korrekturen am
Ringmauerwerk u.a.m. Abgesehen von Einflüssen solcher Bedingungen auf dem
Terminablauf hatte man aus diesen Gründen eine Reihe von Unfällen zu beklagen,
unter ihnen drei mit tödlichem Ausgang. Der folgenschwerste , im ganzen Kyffhäuserland
bestürzt aufgenommene, kostete am 14.10.1891 zwei Kelbraer Maurern, jeder Vater
von 6 Kindern, das Leben. Ein weiterer Bauarbeiter war lange unfallkrank und
lebte danach mit seiner 6- köpfigen Familie als Invalide. Ein Bogengewölbe war
zu früh ausgeschalt worden, stürzte ein und begrub die drei Kelbraer unter
sich. Solche Unfälle und einige andere Probleme veranlaßten Carl Reichenbach
zur Lösung des Bauvertrages mit dem Kyffhäuserausschuß. Im Frühjahr 1892
verpflichtete man die Sangerhäuser Baufirma Thate für die Bauarbeiten. Bereits
im Sommer allerdings löste sich die neue Beziehung wieder. C. Reichenbach
"stieg" wieder ein. Nun waren auch einige Erleichterungen im
technologischen Ablauf möglich. Spezielle Schutzgerüste, eine Dampfmaschine
und Bauaufzüge verbesserten den technologischen Ablauf und beeinflußten die
Erfüllung harter Bautermine. Seit 1896 unterstützte das Kelbraer
Bauunternehmen Bloßfeld den Denkmalbau und seinen Einweihungstermin, den
"Kaisertag" am 18.6.1896. Aber unter den verbesserten Bedingungen
"waren eine Reihe von Unfällen nicht zu vermeiden." Der
folgenschwerste am 9.7.1894 endete mit dem Tode des 49- jährigen Frankenhäusers
Benjamin Huke. Alle zuweilen bis an die Grenzen der Rücksichtslosigkeit führenden
Anstrengungen halfen nichts. Am Tage der Einweihung harrte noch so manche
Bauaufgabe ihrer Lösung. Die Kunst der Improvisation war gefragt Beispielsweise
wurde die 1896 noch fehlende südliche Umfassungsmauer mit einer zweireihigen
Tannenanpflanzung verblendet. Die Einweihung war gesichert. Die Bauarbeiten
wurden erst im Herbst 1897 beendet, so daß man als Erbauungszeit des Kyffhäuserdenkmals
die Jahre 1890 bis 1897 zu registrieren hat.
Die Grundsteinlegung
Zunächst planten die
Bauherren die feierliche Grundsteinlegung für 1891. Der Realisierungsgrad des
Baus stand diesem Termin jedoch entgegen. Kurze Zeit kursierte der 22.3.1892-
95. Geburtstag Wilhelms I.- als neuer Terminvorschlag. In seiner Dezembertagung
1891 entschied sich schließlich der geschäftsführende Ausschuß für den 10.
Mai 1892, Jahrestag des Friedenschlusses zwischen Deutschland und Frankreich
nach dem Krieg von 1870/71 in Frankfurt/M. Im Frühjahr 1892 war die
Grundsteinlegung an und für sich lediglich symbolische Handlung, denn beträchtliche
Teile der Anlage waren fertiggestellt. Die Wahl dieses Tages gab diesem Akt
allerdings Gesicht und Programm. Den festlichen Rahmen bildeten ehemalige
Kriegsteilnehmer von 1864, 1866 und 1870/71. 15 000 waren zum Kyffhäuserberg
geeilt. Mit ihnen die eindrucksvolle Feier, umrahmt mit mehreren hundert Fahnen,
vier Militärkapellen, dem "hohen Protektor Fürst Günther , Geistlichen,
Ehrengästen, Chören aus Nordhausen und Frankenhausen und dem Festredner Prof.
Westphal. Rotbart- Gedichte, Choräle und "Deutscher Schwur" unterstützten
die Feier mit den Reden Westphals und des Oberpfarrers Hesse aus Frankenhausen.
Nach der Verlesung der Stiftungsurkunde wurde die etwa 40 cm lange Kupferkapsel
mit der Urkunde, Münzen, Zeitungen usw. in den Grundstein an der unteren
Turmterasse eingelassen. Der erste Hammerschlag kam von Fürst Günther, ihm
folgten weitere 18 Persönlichkeiten, jede mit ihrem Hammerschlag und einem
Sinnspruch. In der Gründungsurkunde ist das Anliegen des Denkmals
manifestiert."Das deutsche Volk, Jahrhunderte lang durch die Uneinigkeit
zerrissen und in politische Ohnmacht versunken, errang die neue Macht und neues
Ansehen durch den Kaiser Wilhelm I., den Hohenzoller, Preußens König... Das
Denkmal soll sich erheben auf freier Bergeshöhe.. . Auf dem Kyffhäuser, in
welchem nach der Sage Kaiser Wilhelm der Weißbart erstehen, der die Sage erfüllt
hat. Das Denkmal soll die Erinnerung an den ersten Kaiser des neuen deutschen
Reiches wach erhalten. Das Denkmal soll künden von der Mitwirkung der deutschen
Krieger an der Wiederaufrichtung des Reiches und es soll eine Mahnung sein für
die kommenden Geschlechter, fest zu halten an der Treue zu Kaiser und Reich, an
der Vaterlandsliebe und an den Einrichtungen des monarchischen Staates, dessen
Segnungen die neue Größe des Reiches zu verdanken ist...-."Mit diesem
ersten bedeutsamen Höhepunkt während der Errichtung des Kaisermonuments war
der Ausgangspunkt einer wechselvollen Entwicklung gegeben, die der Gradlinigkeit
der Gründungsurkunde z.T. recht kontrovers entgegenstand. Aus dieser
Konstellation wachsen wichtige Aspekte für die Wertung des Denkmals in der
nationalen Denkmallandschaft.
Der Denkmalsturm
Der Bauablauf am Turm bot
am 6.8.1893 einen weiteren Anlaß zur Pflege der mehr und mehr erwachenden neuen
Kyffhäusersymbolik. Die Kelbraer Maurer Krahmüller und Erdmann fügten
oberhalb der Barbarossafigur im Beisein des Landesfürsten und anderer Gäste
dem Mauerwerk die Turmurkunde ein. Der Turm selbst, architektonisches Zentrum
und einer der symbolischen Kerne der Anlage, wurde 1895 fertiggestellt. Schlußstein
und Kreuz auf die stilisierte Kaiserkrone am Turmabschluß wurden am 13.8.1895
gesetzt.
1895 erreichte der Denkmalbau mit seinen Dimensionen (81 m Höhe; 131 m Länge;
96 m Breite) einen Reifegrad, welcher den Beginn der Einweihungsvorbereitungen für
1896 erlaubte. Der dreifach gegliederte Turm war im westlichen realisiert.
Die Barbarossafigur
Bildhauer Prof. Geiger
beendete seine Berliner Atelierarbeiten und arbeitete nun mit den Bildhauern
Schwartz und Lock sowie weiteren 12 Mitarbeitern an der Barbarossaplastik. Im
Steinbruch Edersleben bei Sangerhausen stand Geiger der geeignete, feinkörnige
Sandstein zur Verfügung. Die Rotbart Skulptur beherrscht im unteren Teil der
Ostseite den etwa 600 Quadratmeter großen zerklüfteten Barbarossahof.
Barbarossa "zeigt sich" in etwa dreifacher Lebensgröße. Archaisch
wuchtige Arkaden geben den Blick auf ihn frei. Geiger hielt sich in seinen
Entwurf stark an die Sagenüberlieferung um den alten Barbarossa und wohl
besonders an Rückerts Gedicht. "Im ersten Erwachen", mit dem
wallenden Bart bis zum Steintisch, einem weiten und prächtigen kaiserlichen
Mantel und der mittelalterlichen deutschen Kaiserkrone auf seinem Haupt thront
er auf einer Steinbank. Seine Rechte umfaßt das Reichsschwert. Figürliche
Elemente (Raben, Hofstaat usw.) umgeben den Hohenstaufen. Die Arbeiten an der
Rotbartfigur beendete Prof. Geiger im Frühsommer 1896.
Das Reiterstandbild
Axial über der
Barbarossafigur beherrscht die von Prof. Hundrieser geschaffene dreiteilige
Figurengruppe- Reiterstandbild Wilhelm I. mit zwei Nebenfiguren- die Schauseite
des Turmes imOsten und das Monument allgemein. Vor der Hochterrasse aus fallen
die Blicke der Besucher direkt auf diese Figurengruppe, die im Frühjahr 1896
bis kurz vor der Einweihung montiert wurde. Aus einer doppelt angestuften
Rundbogennische "schreiten" Reiter und Pferd aus dem Berg heraus in
die Weiten der Goldenen Aue, "der aufgehenden Sonne entgegen." Dem
Reiterstandbild Wilhelms I. sind die Allegorien der Geschichte mit der
weiblichen Nebenfigur und des Krieges mit einem "reckenhaften Krieger"
beigeordnet. Die Figuren wurden aus einheimischen, 2- 3 mm starken Platten aus
Mansfelder Kupfer in speziellen Werkstätten getrieben. Innere
Eisenkonstruktionen sorgen für notwendige Stabilität. Gemeinsam mit E.
Hundrieser hatten die Kupfertreibwerkstatt Seitz aus München (Reiterstandbild),
Kunstwerkstatt Rinckleben aus Braunschweig (Krieger) und die Kunstwerkstatt
Kiene aus München (weibliche Figur) anspruchsvolle kunsthandwerkliche Arbeit zu
leisten. 8 850 kg Kupfer und 8 250 kg Eisen waren für die demnach 336 Zentner
schwere Figurengruppe mit ihren riesigen Dimensionen zu verarbeiten. Einige
Zahlenangaben mögen das verdeutlichen. Das Kaiserstandbild allein erforderte 6
000 kg Kupfer und 5 900 kg Eisen. Die Nebenfiguren stellten etwas bescheidenere
Materialansprüche. Beispielsweise nimmt sich die weibliche Gestalt mit 1 400 kg
Kupfer und 1 250 kg Eisen deutlich zurückhaltender aus. Mit diesem Aufwand im
Sinne der Auftraggeber und Schöpfer entstand ein Monument, das inhaltlich zur
Glorifizierung militärischer Kraft des kaiserlichen Deutschlands diente und in
seinem Dimensionen die Entwicklung nationaler Emotionen zu beleben vermochte.
Immerhin erreichte z. B das Standbild von der Plinthe bis zur Helmspitze des
Kaisers eine Höhe von 9, 70 Meter.
Die architekturbezogene künstlerische Gestaltung des historischen und
sagengeschichtlichen Spannungsfeldes eindrucksvolle Kontinuität. Die von
Geiger, Vogel und Hundrieser geschaffenen Elemente, Figuren und
Gestaltungssymbole dienen dem Gesamtanliegen des Denkmals und bringen sich
organisch ein, von den Allgorien des Hasses und der Zwietracht über die
Rabensymbolik bis zum Schriftband "Für Kaiser und Reich" und der
Reichskrone als oberen Turmabschluß.
Die Einweihungsfeier
Im Sommer 1896 war das 25
000 Kubikmeter Baumasse umfassende Denkmal soweit realisiert, daß nach Ansicht
der Protektoren und der Kriegervereinigungen die Einweihung endgültig
terminiert werden konnte. Vorschläge der Einweihung zum 100. Geburtstag
Wilhelms I. blieben unbeachtet. Den Jahrestag des Frankfurter Friedens wollte
man nicht doppelt strapazieren. Aber da war der 18. Juni, ein Tag mit Tradition:
Schlacht von Fehrbellin (1675), Schlacht von Belle Alliance (1815), Aufruf des
preußischen Königs "An mein Volk" zum Feldzugsbeginn gegen Österreich
(1866) und schließlich auch der Jahrestag siegreichen Einzuges Kaiser Wilhelms
I. in Berlin nach dem Krieg gegen Frankreich (1871). Die Entscheidung war
gefallen. Das Denkmal wird am 18.6.1896 eingeweiht. Kaiser Wilhelm II. nimmt an
der Feier teil. Die Entscheidung zu diesem Tage zeigte, auf welchem Acker das
kaiserliche Deutschland pflügte.
Der Kaisertag wurde zum Fest für eine ganze Region, für die deutschen
Kriegsvereine und natürlich auch für die über 30 000 unmittelbaren Teilnehmer
an den Feierlichkeiten. Wilhelm II. war mit seinem Sonderzug in der Goldenen Aue
eingetroffen und mit der Kutsche von Kelbra aus zum Kyffhäuser gefahren. Dort
erwartete aktives Militär, vor allem aber 18 000 ehemalige Kriegsteilnehmer mit
ihren 1 300 Fahnen den Regenten. das prunkvolle Kaiserzelt an der Ringterrasse,
zahlreiche Kapellen, Ehrenformationen für Artilleriesalut und Vorbeimarsch,
prachtvolle Uniformen und Orden, Zaungäste und Girlanden mühten sich, die Natürlichkeit
der einzigartig reizvollen Landschaft zu übertreffen. Dazu gesellte sich die
farbenfrohe Begleitung des jungen Kaisers: der König von Württemberg, Großherzöge,
Fürsten und Herzöge, Kronprinzen, Prinzessinnen und Prinzen, der
Reichskanzler, Grafen und Marschälle, Geheimräte, Hofmaler, Minister und
Professoren und Bürgermeister, Landräte, Hofräte und all` die anderen. Mit kräftiger
Stimme trug Prof. Westphal (1850- 1924) seine Festrede in die Weite des
Festplatzes: "Heute steht unser Kaiser- Wilhelm- Denkmal auf dem Kyffhäuser
vollendet da. Seine Bedeutung ist eine doppelte: Seine Parole heißt:
"Kaiser Wilhelm I.. der Hohenzoller, Preußens König und sein
Feldgeschrei: `Für Kaiser und Reich! `... Von einem Eingreifen in das engere
politische Leben sieht das Kriegsvereinswesen... ganz ab, es begnügt sich
damit, seine Mitglieder durch das Betonen monarchischer und deutschnationaler
Gesinnung dazu anzuhalten, bei Beurteilung staatsbürgerlicher Fragen Das in den
Vordergrund treten zu lassen, was die monarchischen Parteien eint, Treue zum
Landesherrn und Liebe zum Vaterlande, und nach dem Grundsatz zu handeln: `Das
Vaterland, nicht die Partei..` "Und Kaiser Wilhelm II. fügte Westphals
Bekenntnis seine Mahnung an: "Wenn in dem Deutschen Volke der Geist
lebendig bleibt, aus dem dieses Denkmal geschaffen ist... dann wird das
Vaterland allen Stürmern, welche die Zukunft heraufführen mag, mit unerschütterlichem
Vertrauen entgegen sehen können. Möge es dem deutschen Volk nie an Männern
fehlen, welche in Treue, Opferwilligkeit und Vaterlandsliebe denen gleichen,
welche dem großen Kaiser dienen... durften." 101 Salutschüsse einer
Erfurter Natterie begleiteten den Vorbeimarsch der Ehrenformationen an ihrem
Kaiser Wilhelm II. und Obersten Kriegsherrn.
Das Denkmal war nun der Öffentlichkeit übergeben. Auf dem Rathsfeld vereinten
sich die Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften zu einem festlichen Menü.
Wilhelm II. zog nach Frankenhausen, das sich an den Durchfahrtsstraßen des
Kaisers (Nordhäuser Straße, Anger, Kloster- und Bahnhofstraße) in festlichen
Glanze präsentierte und fuhr in seinem Sonderzug an die Nordseeküste. Der 20.6
war in der parallel zum Denkmalbau entstandenen Denkmalwirtschaft den Erbauern
gewidmet. Hier trafen sich zu "einem gemütlich- festlichen Abend" die
Bauarbeiter und empfingen den Dank der Bauherren. Nahezu 300 Teilnehmer
erinnerten sich bei 1 300 Liter Bier, "6 Zigarren pro Mann",
Rinderschmorbraten und Salat an die arbeitsreichen Jahre. Den Witwen der drei tödlich
verunglückten Bauarbeiter übergab der Kyffhäuserausschuß ein einmaliges
Geschenk von je 200.- Mark.
Von diesem Tage an war der Kyffhäuser sehr unmittelbar in den Ablauf
historischer Prozesse gestellt. Für die seither zahllosen Besucher wurde er zu
einem bedeutsamen Sachzeugen wechselvoller regionaler und nationaler
Traditionen.